Essen mit dem Jahreslauf: Juni

In der Serie “Essen mit dem Jahreslauf“ stelle ich ein Rezept vor, dass aus saisonalen Lebensmitteln besteht, die zur selben Zeit auf den regionalen Äckern und in den Gärten reifen, sowie von Tania und mir erprobt sind. Mit Geschichten zu den Nahrungspflanzen, möchte ich die echten Lebensmittel zurück ins Gedächtnis bringen,  als Gegensatz zum schnelllebigen Einheitsbrei der Industrie. Viel Spaß beim Ausprobieren und guten Appetit…

„Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.“ – Johann Wolfgang Goethe

Diese Worte vom großen Dichter und Lebenskenner passen sehr gut zur “saisonalen Ernährung“, denn die Voraussetzung, um im Einklang mit der Natur zu leben, bedeutet auch, dass man im Gleichschritt mit dem Jahresrhythmus durch das Leben geht. Dies kann man nur erzielen, wenn man sich von den Lebensmitteln ernährt, dir zur selben Jahreszeit auf den Feldern oder in den Gärten wachsen. Im Winter, die Zeit in der man sowieso das zurückliegende Jahr Revue passieren lässt, stehen einem eingemachte Lebensmittel, sowie Lagergemüse und Getreide zur Seite.

Außerdem beteiligt man sich somit nicht an der enormen Energieverschwendung der Lebensmitteltransporte aus dem Süden, die ohnehin unfrische Nahrung herbeiholen, weshalb viele dieser “Produkte“ in Plastik eingepackt werden müssen, um den Anschein von Frische zu erhalten. 

Wenn man sich eine Zeit lang von saisonalen Obst und Gemüse ernährt, findet man schnell einen Zugang zur Natur und die Vorfreude auf die ersten Tomaten, den ersten Spargel oder das erste Blattgrün des Jahres steigen ins unermessliche. Dieses Gefühl lässt die “einfachen Dinge“ des Lebens in ihrem wahren Glanz erstrahlen!

DER JUNI: BRENNNESSELN, PUFFBOHNEN UND KOHLRABI

Im Juni sprießt und wächst alles in der Natur und die Vegetation findet am Ende des Monats ihren Höhepunkt. Also, die beste Zeit frisches Grün aus der Natur in die Küche zu holen. Da bietet sich natürlich einiges an, aber ganz besonders eine Pflanze, die eher an Schmerzen und Pusteln erinnert, anstatt an leckere Gerichte: die Brennnessel. Leider wird dieses tolle Gewächs von vielen “Anti-Gärtnern“ oder “Sauberkeitsfanatikern“ als “böses Unkraut“ angesehen und verfolgt. Doch die Brennnessel hat weit mehr zu bieten, als der eigene Ruf ihr nachsteht:

Die kräuterkundige Maria Treben schreibt in ihrem Standartwerk “Gesundheit aus der Apotheke Gottes“, dass die Brennnessel blutbildend und blutreinigend ist, sowie gegen diverse Erkrankungen, wie Darmgeschwüre, Nierenerkrankungen, Gallenleiden, Anämie, Magenkrämpfe und Kopfschmerzen hilft, um nur ein Bruchteil zu nennen. 

Dazu kommt, dass die Brennnessel einfach großartig schmeckt. Der nussige Geschmack kommt bei frischen Tees oder Pestos sehr gut zur Entfaltung. Meine Mutter backt die Blätter der Brennnessel in ihr selbstgebackenes Buchweizen-Brot, sowie in viele Reis- und Nudelgerichte. Viele Bekannte, die bei uns zum ersten Mal Brennnesseln probieren, wissen dieses alltägliche Kraut nun als Delikatesse zu schätzen.

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Die Brennnessel trifft man überall. Sie will unter den Menschen sein, obwohl sie von ihnen verachtet wird…

Nicht aus der freien Natur, sondern aus den Gemüsegärten, frisch vom Biomarkt oder vom Biohof bekommt man diese Tage Puffbohnen (Vicia Faba), die auch dicke Bohne, Pferdebohne, Saubohne oder Favabohne genannt wird. Schon früh im Jahr wurde diese alte Hülsenfrucht ausgesät, bzw. gesteckt, da sie im Gegensatz zu den Bohnen aus der “neuen Welt“ (Phaseolus-Arten) sehr kälteverträglich ist. Somit gehören die Puffbohnen zu der ersten größeren Ernte des Jahres und begünstigt eine frühe Nachkultur auf den nun freien Beet-Flächen. Unsere Puffbohnen habe ich Anfang März gesteckt und beernte die Pflanzen bereits in der zweiten Woche. 

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Wurstfingerdick in einem satten grün: So präsentieren sich die Puffbohnen im Juni in unserem Beet…

Die Kelten und Germanen bauten diese Bohne bereits an, die später im 16. Jahrhundert von der rankenden “Indiander-Bohne“ aus Südamerika verdrängt, als “Sau- oder Pferdebohne“ degradiert, und somit nur noch als Viehffutter verwendet wurde, wie im Buch “Bekannte und vergessene Gemüse“ von Wolf-Dieter Storl nachzulesen ist.  Erst später kehrte sie wieder auf den Speiseplan der Menschen zurück, denn im Gegensatz zu der “neuen Bohne“, ist diese Bohne auch für die Rohkost geeignet und eine delikate Salatbeilage. 

Im Juni werden ebenfalls die ersten Kohlrabi-Köpfe groß genug um geerntet zu werden. Zu groß sollte man sie nicht werden lassen, sonst können sie holzig werden. Zusammen mit den Puffbohnen und Zuckererbsen, leiten sie den Ernte-Sommer im Gemüsegaren ein und sind in der Küche universell einsetzbar oder einfach roh zu genießen.

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Dieser hübsche Kohlrabi muss noch ein Paar Tage im Beet bleiben…

Erntefrischer Kohlrabi schmeckt saftig und süß und ist nicht zu vergleichen mit den Exemplaren, die viele Wochen im Kühlhaus verbracht haben. Wegen der kurzen Wachstumsphase, können Kohlrabi mindestens zweimal im Jahr angebaut werden oder einfach staffelweise ausgesät werden. 

NUN GEHTS IN DIE KÜCHE

Vorneweg sei gesagt, dass Rezepte nicht immer als reine “Schritt für Schritt“-Anleitungen zu verstehen sind, sondern eher als Inspiration dienen sollten, denn so lernt man besser mit Lebensmitteln umzugehen und es können neue Gerichte entstehen.

Somit steht heute auf der Speisekarte:

“Puffrabi-Ofengemüse in Brennnessel-Pesto“, dazu Buchweizen-Pizzabrot.

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Die Hauptzutaten: Brennnessel, Puffbohnen und Kohlrabi kann man im Juni frisch aus dem Garten holen…
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… Zunächst öffnet man alle Schoten der Puffbohnen und gibt die Samen in eine passende Auflaufform
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… Der Kohlrabi wird geschält und in einzelne Stückchen geschnitten und darauf zu den Puffbohnen in die Auflaufform gegeben…  Für die Pesto gibt man einige Brennnessel-Blätter in ein großes Glas oder einen anderen Behälter, dazu kommt ein Pflanzenöl Deiner Wahl (Hanföl und Olivenöl sind sehr geschmackvolle Öle) und eine Hand voller Sonnenblumenkerne (wenn man welche zur Hand hat), sowie eine Brise Salz. Natürlich sind mit weiteren Zugaben der Kreativität keine Grenzen gesetzt…
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… Nachdem die Brennnesselblätter, sowie der restliche Glasinhalt mit einem Pürierstab oder einem Mixer zu Pesto püriert wurde (anhand der Konsistent sieht man, ob mehr Öl benötigt wird), wird die Pesto-Masse in die Auflaufform gegeben und mit den Puffbohnen und den Kohlrabi-Stückchen vermischt. Als Geschmacksträger bietet es sich an, etwas zerlaufene Butter (am besten Ghee, also geklärte Butter) über den Inhalt der Auflaufform zu geben… Hier können auch Zwiebelchen oder Knoblauch dazugegeben werden… Nun gibt man die Auflaufform in den vorgeheizten Ofen (etwa 180°C). Im Ofen wird das Gemüse viel schonender gegart als in der Pfanne und der Geschmack kommt außerdem viel besser zur Geltung…
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… In der Zwischenzeit bereitet man die Teigmasse für das Buchweizen-Pizzabrot vor: Dafür einfach Buchweizenmehl mit Wasser zu einer breiigen Konsistenz vermischen … 
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… Die Teigmasse wird dünn auf ein braunes Backpapier (auf einem Backblech) gestrichen und auf eine andere Schiene in den Ofen geschoben. Nach belieben können frische oder getrocknete Kräuter über den Teig gegeben werden. In diesem Fall: getrockneter Oregano
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… Et Voilà: Nach ungefähr 40 bis 45 Minuten (insgesamt) kann beides aus dem Ofen genommen werden. Da alle Öfen unterschiedlich sind, sollte man vorher immer mal wieder nachsehen wie der Stand der Dinge ist, da man deshalb keine allgemeine Aussage machen kann. Wer das Pizzabrot knackiger mag, lässt es länger drin, oder holt es einfach vorher aus dem Ofen…
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… Auch als Snack ist die Brennnesselpesto mit dem leichten Buchweizen-Pizzabrot ein Genuss!

Viel Spaß beim Ausprobieren und Guten Appetit!

Essen mit dem Jahreslauf: Juni von Johannes Wachsmuth

 

 

 

 

 

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