Ein Garten für alle: Die Mischkultur

„Jeder Mensch braucht ein Stück Garten, wie klein er auch immer sein mag, sodass er in Kontakt mit der Erde und deshalb mit etwas tieferen in ihm selbst bleibt.“ – C. G. Jung

DER TEUFELSKREIS DER EINSEITIGKEIT

Die “Monokultur“ (bzw. Reinkultur) leitet den Teufelskreis der modernen Landwirtschaft ein: Sobald also nur eine Pflanzenart auf einer riesigen Fläche wachsen darf, wird der Boden einseitig belastet, essentielle Bodenorganismen sterben und die Pflanzen werden schwach. Humus wird ab-, anstatt aufgebaut und die Landschaft mutiert zu einer Wüste. Lebensräume für allerlei Insekten werden damit verhindert und bestäubende Insekten sterben aus. Somit kommt es zu einseitig auftretenden Insektenarten, da sie folgerichtig keine natürlichen “Fressfeinde“ mehr haben. Der Kunstdünger verschlimmert diesen Prozess um ein vielfaches. Die kranken Pflanzen rufen Pilze und Insekten herbei, damit sie dem Erdboden gleichgemacht werden, um wieder Humus zu werden und den Bodenorganismen als Nahrung zu dienen. Doch nun kommen die chemischen Gifte (“Insektizide“ oder “Pestizide“) der “Anti-Gärtner“ und der “Agrar-Leute“ ins Spiel, die diesen Kreislauf verhindern. Die aufgedunsenen Gemüsepflanzen werden also künstlich am Leben gehalten und das natürliche Gefüge auseinandergerissen.

Hinzu kommt, dass jedes aufkommende Wildkraut (im Volksmund: “Unkraut“) vernichtet wird, da es als Konkurrent zur Hauptkultur angesehen wird. Die Natur veranlasst, dass viel mehr Wildkräuter auftauchen, da sie schließlich als Organ eine Einseitigkeit auszugleichen versuchen. Nun werden die nächsten Tötungsmittel eingesetzt (“Herbizide“), damit der Mensch endlich Herr über die Natur werden kann.

Weder die “Schädlinge“ oder “Unkräuter“ lassen sich davon beeindrucken, denn sie bringen neue Mutationsformen hervor. Das kommt der Chemieindustrie genau entgegen, denn sie können somit neue “Pflanzenschutzmittel“ (Gifte) verkaufen. Und weiter geht der Krieg gegen Mutter Erde…

Da die modernen Bauern (wenn man sie überhaupt noch so nennen kann) lediglich vom Marktpreis gesteuert sind, werden sie verdammt nur eine Pflanzenart anzubauen, um den gigantischen Markt mit günstigen Preisen bedienen zu können (Ausnahme: Solidarische Landwirtschaft). In der Natur gibt es keine Monokulturen, weshalb “Pflanzenkrankheiten“, in Form von Pilzen oder Fraß-Anfälligkeit als Gesundungsmechanismus der Natur auftreten. Doch für die Landwirte ist es lediglich der Moment, wo sie zu Sklaven und Lakaien der Chemieindustrie werden.

ES GEHT AUCH ANDERS

In der Landwirtschaft ist eine der Antworten die “Solidarische Landwirtschaft“ (SoLawi), denn durch Mitgliederbeiträge werden die Kosten des Betriebes abgedeckt, weshalb nicht für den Markt, sondern für die Teilnehmer gewirtschaftet wird. Somit kann wieder eine große Vielfalt auf die Äcker zurückkehren. Da der einzelne Gärtner weder für einen Markt, noch für Teilnehmer anbaut, sollten in den Gärten Monokulturen sowieso keine Mittel sein.

Vielfalt anstatt Einfalt ist der Schlüssel, und die Natur das Vorbild für einen gesunden Garten!

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In der Natur gibt es keine Monokultur. Das Konkurrenzdenken entstand durch die darwinistischen Lehren.

Sobald Blumen in den Gemüsebeeten auftauchen, werden unterschiedliche Insekten zur Bestäubung angelockt. Außerdem profitiert der Boden von den unterschiedlichen Wurzelausscheidungen verschiedener Pflanzenarten und die Bodenorganismen können damit besser umgehen. Durch allelopathische Pflanzenausscheidungen kommunizieren die Pflanzen untereinander und können sich positiv oder negativ beeinflussen. Deshalb muss der naturnahe Gärtner seine Erfahrungen mit unterschiedlichen Pflanzenpartnern machen, um herauszufinden, welche seine geeigneten Mischkulturen sind.

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Ringelblumen im Gemüsebeet als Nahrungsquelle für bestäubende Insekten.

DIE DREI SCHWESTERN

Die Indianer lernten von der Natur, anstatt diese auszubeuten: Sie bauten Hügelbeete, also mit Pflanzenmaterial aufgefüllte Erdhügel, die bei der Zersetzung Wärme und Nährstoffe abgaben, womit auf weitere Düngung verzichtet werden konnte. Dort pflanzten sie eine ganz besondere Mischkultur-Kombination an: Der hochwüchsige Mais diente für die Bohnen als Rankstütze, die das Beet mit Stickstoff versorgten. Denn mit Hilfe von kleinen Knölchenbakterien sammeln Bohnen, Erbsen oder Linsen (alle Leguminosen) Stickstoff aus der Luft und geben diesen bei Zersetzung wieder ab. Die hungrigen Pflanzen wie der Mais, oder der Kürbis, der am Boden wuchs, wurden somit mit Nährstoffen versorgt. Der Kürbis sorgte mit seinem kriechenden Wuchs und riesigen Blättern für einen sehr effektiven Schutz vor starker Sonneneinstrahlung und verhinderte die Verdunstung (lebender Mulch). Der Boden blieb somit Feucht und krümelig…

Dieses Beispiel zeigt, dass die Natur weit mehr zu bieten hat als Darwins Theorie der Feindseligkeit und Konkurrenz!

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Eine Reihe junger Radieschen freut sich über ihre Nachbarreihe Pflücksalat.

BEWÄHRTE PARTNER & HELFER

In der Regel eignen sich Pflanzen verschiedener Pflanzenfamilien besser als Nachbarn im Gemüsebeet, als Vertreter der selben Gattung. Bei Familienmitglieder sind die Ansprüche an Nährstoffe, sowie Wurzel-Ausscheidungen sehr ähnlich. 

Leguminosen, u.a. Bohnen, Erbse, Zuckererbsen, Linsen, Lupinen oder Puffbohnen eignen sich ganz besonders gut als Partner für starkzehrende Gemüse wie u.a. Kohl, Mais, Gurken, Kürbis, Melonen, Tomaten, oder Kartoffeln, da diese, wie bereits erwähnt, Sticksoff sammeln und diesen über die Wurzeln wieder abgeben. Die “Starkzehrer“ nehmen das dankend an. Ganz besonders freuen sich die Nachkulturen, da bei der Zersetzung der Leguminosen-Wurzeln der meiste Stickstoff abgegeben wird.

Andere Pflanzen halten bestimmte hungrige Insekten fern, weshalb diese nützlich im Gemüsebeet eingesetzt werden können: Lavendel oder Rosmarin schrecken mit ihren ätherischen Düften Schnecken ab.

Die Zwiebel schützt seinen Partner die Möhre vor der Möhrenfliege, während im Gegenzug die Möhre die Zwiebelfliege abwehrt. Kritiker sagen, dass trotz dieser tollen Eigenschaft keine perfekte Harmonie bestehe, da beide andere Wasseransprüche haben: die Zwiebel mag es während der Reifezeit trocken und die Möhre eher feucht. Doch ein naturnaher Gärtner sollte damit keinerlei Probleme haben, denn unter freiem Himmel sollte ohnehin wenig mit der Gießkanne nachgeholfen werden, denn der Regen sorgt für die optimale Wasserzufuhr. Mit unterschiedlichen Mulchschichten kann sehr gut nachgeholfen werden. Wenn in Trockenperioden gegossen werden muss, dann sollten man sowieso punktuell Gießen und nicht mit einer Sprinkleranlage oder dem Wasserschlauch. Das ist nur eine Modeerscheinung großer Gärtnereien oder der Landwirtschaft, die den Überblick verloren, und keine Zeit für ihre Gewächse haben. Diese Partnerschaft ist altbewehrt und für jeden Gärtner zu empfehlen. Wer mit anderen Vertretern dieser Familien experimentiert, wird schnell sehen, dass alle Mitglieder der Zwiebelfamilie (Liliengewächse), u.a. Lauch, Lauchzwiebeln, oder Knoblauch wunderbar mit den Vertretern der Möhrenfamilie (Doldenblütler), u.a. Pastinake, Petersilie, Sellerie, Kümmel, oder Fenchel zurechtkommen. 

Viele Kräuter, u.a Basilikum und Petersilie sind dafür bekannt den Geschmack ihrer Nachbarn zu verbessern. Deshalb bewährt es sich die ein oder anderen Kräuter dieser Art in den Fußbereich von Tomaten zu setzen.

Bohnenkraut (daher wohl die Namensgebung) hat eine sehr günstige Wirkung auf Bohnen, wie viele Gärtner berichten. Laut einier Studie sollen Brennnesseln den ätherischen Ölgehalt einiger Pflanzen erhöhen.

Kapuzinerkresse zieht alle Blattläuse an und somit weg von anderen Gemüsepflanzen, weshalb man mit einer gezielten Pflanzung einen Befall eindämmen kann, ohne gegen die Natur zu arbeiten, indem man Mittel zur Bekämpfung einsetzt, sondern lediglich durch die Bereitstellung eines günstigen Lebensraum für diese Insekten, damit sie von der Hauptkultur im Beet abziehen. Solche Anwendungen basieren auf Beobachtungen der Natur, um im Einklang mit ihr wahre Wunder zu vollbringen. 

Leider können Gärtner heute nicht alle Möglichkeiten ausnutzen, denn der Anbau von Hanf (Cannabis) ist weiterhin staatlich verboten, da die Industrie diesen Alleskönner fürchtet. Dieses uralte Gewächs könnte einen Haushalt mit nährreichen Samen, stabilen Fasern und Medizin versorgen, wenn man sie in den Garten holen würde. Der Autor, Ethnologe und Pflanzenkenner Wolf-Dieter Storl schreibt in seinem Buch “Der Selbstversorger“: 

„Die Hanfpflanze, deren Samen wertvolle ungesättigte Öle enthalten, hat wegen ihrer ätherischen Ausdünstungen eine allgemein positive Ausstrahlung im Garten. Als Begleitpflanze ist sie günstig für Kartoffeln, Rote Bete und Kohl…“ 

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Pak Choi (aus der Kohlfamilie) und Pflücksalat (Korbblütler) mögen sich gerne!

Eine weitere gute Möglichkeit nützliche Kombinationen unter den Gemüsepflanzen auszuprobieren, ist es Flachwurzler, die ihre Nährstoffe aus der näheren Peripherie der Wurzeln holen (u.a. Kopfsalate) mit Tiefwurzlern (u.a. Rote Bete, Bohnen, Mangold), die in tiefere Erdschichten vordringen, zu verpaaren. 

UNGÜNSTIGE BEGLEITER

Manche Pflanzen fühlen sich ganz besonders unwohl neben dem falschen Partner. So sind Paprika und Chili erfahrungsgemäß eher Eigenbrötler und brauchen keine anderen Gemüse-Gesellen neben sich. Doch am Rand des Paprikabeetes sind Blumen gern gesehene Gäste.

Neben den Vertretern der selben Familie, die sowieso eher eine Abneigung zueinander haben, können Zwiebeln die Leguminosen (u.a. Bohnen und Erbsen) kaum ausstehen und gedeihen eher schlecht neben ihnen. 

Viele Gärtner konnten beobachten, dass starkzehrende Pflanzen wie Kartoffeln und Kohl öfters auch Probleme mit anderen hungrigen Pflanzen wie Tomaten oder Zuchini haben. 

EIGENE ERFAHRUNG DURCH BEOBACHTUNG

Im Internet und in Büchern gibt es allerlei Informationen und Ratschläge zum Thema Mischkultur, die durchaus zum Ausprobieren einladen. Trotzdem sollte man seine eigenen Erfahrungen damit machen, um herauszufinden welche Partner das eigene Gemüsebeet besiedeln können.

Die Natur offenbart ihr wahres Gesicht nur durch das sinnliche Beobachten oder durch übersinnliche Impulse und weniger durch das Reagenzglas oder im Labor. Viele Wissenschaftler versuchen unter diesem Zusammenhang der Pflanzen-Allelopathie einige stoffliche Ergebnisse zu präsentieren. Doch isolierte Stoffe wirken anders als in Komposition der Natur. Deshalb sind die lang bewährten Erfahrungswerte der Gärtner und Bauern von viel größerer Bedeutung, als moderne Studien.

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Auch auf großen Flächen (Getreideanbau) ist Mischkultur mit Unter- oder Zwischensaaten ebenfalls möglich!

In diesem Sinne: Die Natur sollte das Vorbild für jeden Gärtner sein, um die Geschehnisse dort in den Garten zu übertragen, damit im Einklang zur Natur, anstatt gegen sie gegärtnert werden kann! Nur dann präsentiert sich ein bunter und summender Garten in seiner ganzen Wahrhaftigkeit und bringt gesunde Lebensmittel für Mensch und Tier hervor!

Im nächsten Teil der Serie “Ein Garten für alle“ werde ich mich ausführlich mit dem Thema “Naturgarten“ beschäftigen.

Ein Garten für alle: Die Mischkultur von Johannes Wachsmuth

Quellen und Inspirationen:
Wolf- Dieter Storl – Der Kosmos im Garten, Der Selbstversorger / Natalie Faßmann – Auf gute Nachbarschaft / Bill Mollison –  Handbuch der Permakultur Gestaltung, Graham Bell – Der Permakultur-Garten
 

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