Tiere in Massen oder gar keine mehr?

In Discountern, Supermärkten oder Metzgereien greifen Abermillionen Menschen täglich zu “Billigfleisch“ oder anderen tierischen Produkten aus der Massentierhaltung. Lebewesen werden dort wie billige Ware behandelt, auf engsten Raum gepfercht und mit gen-verändertem Mais aus Lateinamerika, sowie Antibiotika gefüttert. Hinzu kommt, dass zur Vieh-Mast Getreide aus der dritten Welt in gigantischen Mengen importiert wird, obwohl die Menschen dieser Länder kaum eigene Nahrung haben. Genau das macht es möglich Fleisch zu einen Spottpreis anbieten zu können. Vom enormen Energieverbrauch und CO2-Ausstoß dieses Vorgehens ist dabei noch nicht einmal die Rede.

Der Verzicht auf Produkte aus der Massentierhaltung ist die einfachste Waffe um diesem Horror ein Ende zu setzen. Doch leider ist der Fleischkonsum für viele Menschen ein Zeichen des Wohlstandes und macht es undenkbar darauf zu verzichten. Die billigen Preise werden dankend entgegen genommen und führen dazu, dass Fleisch jeden Tag auf dem Tisch landet.

Fleisch aus Bio-Betrieben schien lange eine sehr gute Alternative dazu zu sein, denn schließlich sind die Haltungsrichtlinien um ein vielfaches strenger und das Futter der Tiere frei von Antibiotika und Gen-Mais. Bewusste Verbraucher sind also bereit, mehr Geld für tierische Produkte auszugeben, was zu einem geringerem Fleischkonsum führen kann.

Trotzdem machen die Bio-Bauern den wirtschaftlichen Wachstumszwang mit, um den großen Markt bedienen zu können. Das führte ebenfalls zur Trennung von Tier und Landbau, wie es in der industriellen Landwirtschaft der Fall ist und machte die bäuerliche Landwirtschaft endgültig zu einem Relikt der Vergangenheit. Ebenfalls wird Getreidefutter von außerhalb bezogen, Fabriken benötigen genauso viel Energie und Kohlendioxid verpestet weiterhin die Umwelt.

Eine Ausnahme bilden die “biologisch-dynamischen“ Demeter-Betriebe, wo Nutztiere weiterhin ein Teil des Hofes sind, das hofeigene Futter fressen und den Dünger für die Nutzpflanzen liefern. Die Vision des Begründers Rudolf Steiner war es, aus Höfen einen eigenen Organismus zu formen, wo von außen nichts zugeführt werden darf. Mittlerweile sind die Richtlinien etwas geschwächt, aber trotzdem noch am vorbildlichsten im Vergleich der großbetrieblichen Nahrungserzeugung.

VOM EINEN ZUM ANDEREN EXTREM

Eine Landwirtschaft ganz ohne Tiere ist ebenfalls nicht erstrebenswert, wie es allerdings von vielen Verfechtern einer tierfreien “veganen Landwirtschaft“ gefordert wird. Ganz im Gegenteil, denn das Fehlen von Tieren auf Höfen führt zu Problemen: Viele Hofbetriebe sind ohne eigene Tierhaltung abhängig von zugekauften Stickstoffdünger, denn der rein pflanzliche Bio-Kompost bringt nicht immer befriedigende Resultate wie Tiermist. Was nicht verwundert, denn ein Blick in die Natur offenbart, dass fruchtbarer Humus, der viele Millionen Jahre von der Natur komponiert wurde, nicht nur pflanzliche Materie enthält, sondern auch tierische wie Kadaver, Kot und Urin. Die Pflanzen haben sich auf alle Zutaten der Natur, in der richtigen Komposition eingestellt.

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Weidetiere sind vielerorts ein wichtiges Organ der Ökologie und  Umwandler von Energie.

Der Prozess der Zersetzung von organischem Material ist die Verbindung zum erneuten Aufbau des Naturkreislaufs: Die Körper der Lebewesen (Pflanzen und eben Tiere) sterben, werden von der Natur zersetzt und bilden somit den Baustein für neues Leben. Um eine natürliche Landwirtschaft zu etablieren, sind Tiere, genauso wie Menschen, Pflanzen oder Mineralien als Organe der Natur nicht weg zu Denken…

TIERE ALS TEIL DES GROßEN GANZEN

Weidetiere verwandeln “unbrauchbare“ Vegetation wie Graß in Milch oder Eier, also in eiweißreiche Nahrung, ohne dafür ein Tier schlachten zu müssen. Gleichzeitig geben sie mit ihrem Mist die Nährstoffe dem Boden zurück, was der Ausgang für neues Wachstum ist. Dieser Rückfluss wird von vielen “Nutztier-Kritikern“ oft nicht berücksichtigt, denn dadurch entsteht eine Umwandlung von Energie, die in einem nachhaltigen Hofsystem nötig ist, da es eben den Kreislauf mit allen natürlichen Komponenten der Natur (Pflanzen und Tiere) schließt.

Der Visionär und Begründer der Permakultur Bill Morison schreibt in seinem Lebenswerk (Handbuch der Permakultur Gestaltung) folgendes:

„Nützliche Tiere werden mit Erfolg aus amerikanischen Städten verbannt und lassen das Feld brach liegen für eine Menge anderer Tiere: Tauben überfallen die Straßen, Tausende von Möwen (direkt von den Müllbergen kommend) lassen in New York ihren Kot in die Wasser-Reservoirs fallen, riesige Mülleimer werden in Los Angeles von großen, floh-berittenen Hunden umgeworfen. Ratten, halb so groß wie Hunde (und genauso voller Flöhe) warten schon auf den Müll, den die Hunde übrig lassen. Sie haben sich zu Millionen unter den Bushaltestellen in Washington D.C. – unweit des weißen Hauses – ihre Tunnel gegraben. Die Ratten wiederum werden von räudigen Katzen gejagt, die gelegentlich auch ein Auge auf die Milliarden von Kakerlaken werfen, die in den meisten Häusern umher krabbeln. Von den Fliegen ganz zu schweigen. Wir lassen jetzt den legendären Albino-Alligator aus dem Kanal und die ausgesetzte Boa Constrictor weg, die aus den Toiletten mit blau gefärbtem Spülwasser auftaucht. So viel verschwendete Nahrung sorgt für die Zucht eigener Populationen an schädlichen Tieren. Eine vernünftige Umleitung des essbaren Abfalls zu einer Herde Schweine oder einer Legion Meerschweinchen würde viel von diesem Ärgernis beseitigen, und ein paar gute asiatische Restaurant können sich um die Katzen und Hunde kümmern. Die Möwen würden verhungern, wenn Hühner von den Haushaltsabfällen gefüttert würden und die bedrängten Amerikaner/Innen könnten eine große Palette an Lebensmitteln zu denen hinzufügen, die heute in den Städten erhältlich sind. (…)“

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“Ouessantschafe“ sind sehr dankbar darüber, dass sie erneut von Liebhabern wiederentdeckt und  gezüchtet werden, sonst wäre das kleinste Schaf Europas bereits ausgestorben. Weidetiere für die Landschaftspflege, werden in der heutigen Zeit schließlich durch Maschinen ersetzt.

Der komplette Verzicht auf Hoftiere bringt also auch Schaden mit sich, weshalb es nicht nur auf eine “artgerechte“, sondern vor allem auf eine “wesensgemäße“ Tierhaltung ankommt: Dazu gehört, dass man die Kühe erst dann melkt, wenn die Kälber keine Muttermilch mehr benötigen (muttergebundene Kälberaufzucht), männliche Küken nach dem Schlüpfen nicht schreddert, oder Bienen ihre eigenen Waben bauen lässt (z.B. mit der Bienenkiste) und nicht auf den Verzicht aller Nutztiere, was sie eben nicht frei machen würde (wie in George Orwells Farm der Tiere), sondern ein Artensterben zur Folge hätte und der Mensch würde so erstrecht eine Vormachtstellung einnehmen. Lokal angepasste Nutztiere, die natürliche Weiden besiedeln, wie zum Beispiel Schafe, Ziegen oder Kühe sind im Laufe der Zeit wichtige Bestandteile ihrer Ökologie geworden und gehen somit wichtige Verbindungen mit Pflanzen und anderen Organismen ein.

Bei aller Kritik am Fleischkonsum, bezogen auf die Massentierhaltung und dessen Energieverbrauch, sollte man auch bedenken, dass die Zubereitung von Getreide oder Hülsenfrüchte, worauf sich die vegane Ernährung stützt, viel Energie, in Form von fossiler Brennstoffe oder Holz benötigt. Eine vegetarische, oder vegane Ernährung ist individuell durchaus erstrebenswert, solange die pflanzlichen Lebensmittel aus der Region, oder noch besser aus dem Hausgarten kommen. Schließlich ist der Monokultur-Anbau von Getreide oder Hülsenfrüchten (z.B. Sojabohnen) verantwortlich für die Entwaldung vieler Gebiete (vor allem in Südamerika), die Versalzung der Böden durch Kunstdünger, sowie für die sozialen Missstände in den “Produktionsländern“.

Verhindern kann das zum einem der Fleisch-Konsument, der auf Erzeugnisse aus der Massentierhaltung verzichtet, da der größte Teil dieser Monokultur-Nutzpflanzen an Masttiere verfüttert wird, sowie gigantische Flächen des Regenwaldes für neue Rinderfarmen verloren gehen und zum anderen der vegane Konsument, der nun auf konventionell angebautes Gemüse, Getreide oder Sojaprodukte verzichtet.

VOM KAMPF ZWEIER POLE 

Wir Menschen nehmen die Welt Gegensätzlich wahr: Kein Gut ohne Böse, auf das Einatmen folgt das Ausatmen, Mann braucht Frau und umgekehrt, ohne Krieg kein Frieden, Yin und Yang oder eben die eine Extreme der Massentierhaltung und als Gegenpol die tierfreie Landwirtschaft als andere Extreme. Die Basis aller Urreligionen, sowie östlicher Weisheitslehren ist eben die Vereinigung beider Pole zur Einheit. 

Wenn sich die beiden Pole verbinden oder zusammengefügt werden, eröffnen sie als Einheit die Welt der Mitte. Massentierhaltung und tierfreie Landwirtschaft sind nur zwei Seiten des selben Prinzips. Es kommt auf die gesunde Mitte an: das regionale Kleinbauertum mit Weidehaltung! Dort werden die Tiere weder in Ställen oder in riesige Hallen verbannt und auch wird nicht komplett auf die Tierhaltung verzichtet, sondern auf eine natürliche Weidehaltung gesetzt. Die Natur ist nicht vegan, weshalb man sich bei einer pflanzlichen Ernährung trotzdem bewusst machen muss, wie wichtig Tiere für die Ökologie sind, in der freien Natur, sowie auf Hof und Weide!

Tiere in Massen oder gar keine mehr? von Johannes Wachsmuth

Quellen und Inspirationen:
Bill Mollison – Handbuch zur Permakultur Gestaltung / Rüdiger Dahlke – Der Mensch und die Welt sind eins

 

2 thoughts on “Tiere in Massen oder gar keine mehr?

  1. …sehr ausführlicher beitrag, mit den ich in vielen punkten mitgehe… bei anderen jedoch gar nicht…zb.: der regenwald wird nicht! wegen uns veganern abgeholzt sondern nachweisslich wegen dem unendlichem futterverbrauch für tiere die vom menschen gegessen werden wollen…das tiere nützlich sind auf einem bauernhof ist natürlich richtig… egal wann man sie jedoch tötet ist das falsch, warum nicht tiere retten und nützlich sein lassen? ein miteinander? ein schwein, eine kuh werden normal ca. 20 jahre alt, ein huhn 12… usw. usf. – weiterhin beste erfolge gewünscht! mit freundlichen grüßen vom feldrand

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  2. Hallo Thom,

    danke für Deinen Kommentar und für Deine Wünsche!

    ich denke auch, dass der Regenwald nicht wegen Veganern abgeholzt wird! Meinte aber damit, dass der Veganer, der konventionelles Gemüse kauft, mit dem Gedanken die Welt zu verbessern, da er auf tierische Produkte verzichtet, trotzdem dieses Vorgehen der Abholzung, des Chemiewahnsinns und der Monokulturen unterstützt… Und das ist eben ein Teil davon, dass der Regenwald schwindet!… Damit meine ich nicht den Veganer, der sich mit regionalem Bio-Gemüse versorgt!

    liebe Grüße zurück!

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