EMPFEHLUNGEN – Bücher

„Unsere Kultur ist von innen heraus verseucht. Das Gerüst muss umgeschmolzen werden. Du lieber Himmel, es genügt nicht ein Buch wieder aufzuheben, wo man es vor einem halben Jahrhundert hingelegt hat, so einfach ist die Sache nicht.“ 

Mit diesen Worten spricht Faber zu Montag, dem Protagonisten des utopischen Romans „Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury. Der Autor gewährt uns einen Blick in eine Welt von morgen, wo Bücher verboten sind, da sie zu kritischem Denken anregen und somit für Unruhe verantwortlich sind. Die neue Aufgabe der Feuerwehr ist es nun Brände zu legen und alle noch vorhandenen Bücher auf den Scheiterhaufen zu bringen. Der Feuerwehrmann Montag lernt eines Tages die junge Clarisse kennen, die seinen Blick auf die Welt verändert. Nun beginnt er seinen Job zu hinterfragen und kommt schnell dahinter, dass etwas mit dieser Kultur nicht stimmt…

Ein Paar wenigen Autoren ist es tatsächlich gelungen, gesellschaftliche und politische Geschehen vorauszusehen und in ihren utopischen Werken darzustellen. Sie schrieben diese Bücher vor unserer Zeit, doch der Inhalt ist eine Abbildung unserer heutigen Gesellschaft. Diese Geschichten müssen als Symbolwerke verstanden werden, um unsere Kultur zu durchleuchten.

Hier nun die wichtigsten Werke dieser großartigen Autoren, die ihrer Zeit um einiges voraus waren und ein Vergleich mit der tatsächlichen Gegenwart:

RAY BRADBURY – „FAHRENHEIT 451“

„Was Sie brauchen sind nicht Bücher, sondern einiges von dem, was einst in Büchern stand. Es könnte auch auf den Fernsehwänden stehen. Derselbe wache Sinn könnte sich auch im Rundfunk und Fernsehen mitteilen, tut es aber nicht. Nein, nein, es sind nicht Bücher, was Sie suchen. Sie finden es ebenso in alten Schallplatten, alten Filmen und in alten Freunden, Sie finden es in der Natur und in Ihrem Innern.“ (Faber zu Montag)

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Zurück zur Bücherverbrennung von Ray Bradbury:

Tatsächlich wird heute kein Kerosin benötigt, um das Wissen und das kritische Denken zu unterbinden. Unsere „indoktrinierte“ Kultur des Konsums, das „schnelle Leben“ und die neuen Medien ersetzen das Verbrennen nahezu vollkommen.

Das „alte Wissen“ wird im einem so rasanten Tempo ausgelöscht, da nun unsere Welt von den gigantischen Konzernen dominiert wird. Denn durch die Fremdversorgung und Anpassung der Welt durch die Globalisierung, sterben unterschiedliche Kulturen und deren Wissen aus. Was da in den alten Büchern steht, interessiert kaum jemand, denn in dieser Welt geht es vorwiegend um Maschinen, Technik und Medien. Ganz nach dem Motto: Wer ein tolles Smart Phone hat, braucht kein altes vergammeltes Buch mehr!

GEORGE ORWELL – „1984“

„Krieg ist Frieden. Freiheit ist Sklaverei. Unwissenheit ist Stärke.“ (Doktrin des großen Bruders)

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Winston Smith ist ein Mitglied des totalitären Überwachungsstaates „Ozeanien“

RUDOLF STEINER – „DER ELEKTRONISCHE DOPPELGÄNGER“

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ALDOUS HUXLEY – „SCHÖNE NEUE WELT“

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Die Menschheit hat sich von der Natur entfremdet und versteht diese nur rein stofflich, was schließlich der Ausgangspunkt für die Vergiftung unserer Umwelt ist.

Den folgenden Autoren ist es in ihren Werken gelungen, die Natur ganzheitlich vorzustellen und gezielt vor den Gefahren der materialistischen Wissenschaft zu warnen, sowie eine gesunde Landwirtschaft und Ernährung zu präsentieren, die nichts mit dem zerstörerischen Agrar-Business unserer Zeit zu tun hat:

MASANOBU FUKUOKA – „DER GROSSE WEG HAT KEIN TOR“ (THE ONE STRAW REVOLUTION)

„…Für den Bauern soll das heißen: Diene der Natur, und alles ist gut. Ackerbau war eine heilige Aufgabe. Als die Menschheit von diesem Ideal abging, entstand die moderne gewerbliche Landwirtschaft. Als der Bauer Feldfrüchte anzubauen begann, um Geld zu verdienen, vergaß er die wahren Prinzipien der Landwirtschaft. Natürlich hat der Händler in der Gesellschaft seine Aufgabe, aber die Verherrlichung des Handels führt dazu, dass sich Menschen von der Erkenntnis der wahren Quellen des Lebens entfernen.“ (Masanobu Fukuoka)

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Masanobu Fukuoka kehrte nach einigen Jahren Laborarbeit als Mikrobiologe in sein Heimatdorf zurück, da er erkannte, dass die Natur nicht durch die wissenschaftliche Analyse zu verstehen sei, sondern lediglich durch die Sinne und dem Beobachten. Er übernahm den Hof seiner Familie und gründete die „Natürliche Landwirtschaft“. Dabei verzichtete er auf das Pflügen, Düngen und auf Pestizide, Insektizide, sowie Herbizide. Stattdessen ließ er den Boden halb verwildern, steckte die Saatkörner in kleine Lehmkügelchen, so dass sie zwischen den alten verrotteten Pflanzenteilen aufgehen konnten, damit Humus entsteht, anstatt abgebaut zu werden, wie es bei den benachbarten Höfen gängig war, die nur mit großen Maschinen, teuren Spritzmittel und vor allem viel Arbeit über die Runden kamen. Nach wenigen Jahren waren seine Ernteergebnisse mindestens auf dem gleichen Niveau der konventionellen Bauern, mit dem Unterschied, dass Fukuoka wesentlich weniger Arbeit aufwenden musste und die Natur stärkte, anstatt sie auszulaugen.

„Wie wäre es, dies nicht zu tun? Warum jenes nicht unterlassen? – Das war meine Art des Denkens. Letztendlich kam ich zu der Erkenntnis, dass es unnötig ist, zu pflügen; unnötig, Dünger zu verwenden; unnötig, Kompost zu bereiten; unnötig, Insektizide einzusetzen. Im Grunde gibt es wenige landwirtschaftliche Praktiken, die wirklich notwendig sind.“ (Masanobu Fukuoka)

Mit diesem Werk, im Original: „The One Straw Revolution“, leitete Fukuoka in den 1970er Jahren eine große Bewegung ein und ist einer der großen Vorbilder der heutigen Permakultur, wo nicht gegen, sondern mit der Natur gewirtschaftet wird.

„Je mehr der Bauer sein Betrieb vergrößert, desto mehr trennen sich Körper und Geist, und desto mehr entfernt er sich von einem spirituell befriedigenden Leben“ (Masanobu Fukuoka)

Fukuoka präsentiert nicht nur eine alternative Methode der Landwirtschaft, sondern auch eine ganzheitliche Lebensweise, die von der modernen westlichen Kultur in einem rasanten Tempo ausradiert wird. Seine philosophischen Ansichten und Lebensweisheiten sind mit sehr einfachen Worten beschrieben, weshalb sie umso mehr eindringen und des öfteren Momente des Innehalten verursachen.

WOLF-DIETER STORL – „DER KOSMOS IM GARTEN“

„Jedes ackerbauende Volk hat den Einfluss des himmlischen Firmaments auf Wetter, Jahreszeiten, Pflanzenwachstum, sowie Tier- und Menschenverhalten feststellen können. In den alten Hochkulturen entsandt man deshalb auch die Begabtesten von den Aufgaben der Arbeit, des Krieges oder von Familienpflichten, damit sie ungehindert von bestimmten Warten oder Bergen aus die Sterne und Planeten beobachten konnten, damit sie ihre Bitten zu den Göttern emporragen und Kallender aufstellen konnten, die den Bauern sagten, wann die Äcker zu bestellen, die Jungbullen zu kastrieren oder die Kräuter zu sammeln sind.“ (Wolf-Dieter Storl)

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Der Autor besticht zum einem durch sein wunderbares Erzähltalent und zum anderen durch seine ganzheitliche Sicht auf die Zusammenhänge der Natur. Dieses Buch ist so umfangreich, dass es ein Standardwerk sein müsste.

Die kosmischen Zusammenhänge der Natur werden so verständlich erklärt, dass jeder Gärtner, anhand von hilfreichen Praktiken, diese in seinem Garten nutzbar machen kann. Die spannenden Geschichten aus Ethnologie und Mythologie, verhelfen zu einem tiefen Einblick in die Sichtweisen der alten Kulturen, und führen einem klar vor Augen, wie blind unsere heutige Kultur geworden ist.

„Kein Zaun? Wieso fressen die Rehe euren Garten nicht kahl? Zauberst du etwa?, fragte ein Nachbar aus dem Tal. Nun, versicherte ich ihm, die Rehe mögen einfach nicht durch die hohen Brennnesseln laufen.“ (Wolf-Dieter Storl)

Nachdem ich mein erstes Buch von Wolf-Dieter Storl laß (Kräuterkunde), machte ich mich begeistert auf die Reise durch alle seine Werke und ich tauchte ein in eine Welt von Elfenwesen, Pflanzendevas, Wurzelseppen und Kräuterfrauen. Sein erzählerisches Fingerspitzengefühl vereint Mythologie, Geschichte, Natur- und Geisteswissenschaft, ohne im Kontext abzuschweifen, sondern mit einem klaren Bezug zum aktuellen. Genau das macht es leicht, sich auf andere Kulturen, Sinneswelten und Begriffe einzulassen.

RUDOLF STEINER – „GEISTESWISSENSCHAFTLICHE GRUNDLAGEN ZUM GEDEIHEN DER LANDWIRTSCHAFT“

„Dasjenige, was für eine Weiterpflege der Natur notwendig ist, das ist ja vollständig in das Nichtwissen hineingekommen im laufe des materialistischen Zeitalters. Man weiß ja die wichtigsten Dinge nicht. Und so werden Dinge fort-gehandhabt, gewiss aus einem ganz guten Instinkte heraus, aber der verschwindet allmählich. Die Traditionen verschwinden. Die Leute werden mit Wissenschaft die Äcker düngen. Die Kartoffeln, das Getreide, alles wird immer schlechter…“ (Rudolf Steiner / Aus der Gesamtausgabe)

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Im Juni 1924 hielt der Goethe-Gelehrte Rudolf Steiner vor 60 Landwirten seinen zehntägigen Landwirtschaftlichen Kurs, welcher die Grundlage des „Biologisch-Dynamischen Landbaus“ bildete. Anhand seiner verständlichen Ausführungen konnte er die Unterschiede der materialistischen und geistigen Anschauungsweise verdeutlichen.

Sein primäres Ziel war es, einen „Dienst an der Erde“ zu leisten, da bereits zu dieser Zeit die aufkommende materialistische Agrarindustrie viel zerstörte. Durch das Verständnis der großen Zusammenhänge zwischen Kosmos, Tiere, Wasser, Luft und Erde sollten somit die geeigneten Maßnahmen in einer ganzheitlichen Landwirtschaft ergriffen werden, die sich innerhalb eines individuellen Hof-Organismus abspielen sollten.

Um mit der Natur sachgemäß umzugehen, müsste eine radikale Veränderung der üblichen Denkgewohnheiten stattfinden, so Steiner. Er schildert die kosmischen Kräftewirkungen, die der Erde wieder zugänglich gemacht werden müssen, da die Natur bereits geschädigt wurde.

„Wir müssen eigentlich furchtbar dankbar sein, dass der Mist übrig bleibt; denn er trägt Ätherisches und Astralisches aus den innern der Organe heraus ins Freie. Das bleibt daran. Wir müssen es nur in entsprechender Weise erhalten, so dass wir also im Mist vor uns haben etwas, was ätherisch und astralisch ist. Dadurch wirkt es schon belebend und auch astralisierend auf den Erdboden, im Erdigen. Nicht bloß im Wässrigen, sondern namentlich im Erdigen. Es hat die Kraft, das Unorganische des Erdigen zu überwinden.“ (Rudolf Steiner / Aus der Gesamtausgabe)

Im Gegensatz zu vielen anderen Schriften von Rudolf Steiner, braucht man keine besonderen Vorkenntnisse, denn es handelt sich um Mitschriften aus seinen klar verständlichen Ansprachen. Trotzdem schadet es nicht, sich einen kleinen Überblick zu verschaffen, um mit Begriffen wie Ätherleib oder Astralleib umgehen zu können. Hierzu empfehle ich Basisliteratur zur Anthroposophie. Wer zum ersten Mal ein Werk von Rudolf Steiner in der Hand hält, sollte dies unbefangen und frei lesen, da der ein oder andere sein Weltbild angegriffen verstehen könnte.

„Denn der Schwefel ist gerade dasjenige innerhalb des Eiweißes, was den Vermittler darstellt zwischen dem überall in der Welt ausgebreiteten Geistigen, zwischen der Gestaltungskraft des Geistigen und dem Physischen. Und man kann schon sagen, wer eigentlich in der materiellen Welt die Spuren verfolgen will die der Geist zieht, der muss die Tätigkeit des Schwefels verfolgen.“ (Rudolf Steiner / Aus der Gesamtausgabe)

Dieses elementare Werk sollte in keinem Bücherregal eines ganzheitlichen Gärtners fehlen, denn die Ausführungen gehen über den gewöhnlichen Tellerrand hinaus und eröffnen die Tore der geistigen Welten der Natur.

BILL MOLLISON – „HANDBUCH DER PERMAKULTUR GESTALTUNG“ (PERMACULTURE A DESIGNERS MANUAL)

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von Johannes Wachsmuth